Heizöl-Info vom 4. Juni

Nach dem heftigen Preisanstieg der letzten Tage beruhigt sich die Situation zu Beginn des heutigen Tages. Dies ist auf neue diplomatische Entwicklungen im Nahen Osten und in Washington zurückzuführen, obwohl die physische Realität der Lagerbestände historisch angespannt bleibt.

Unter der Vermittlung Washingtons haben sich Israel und der Libanon auf ein neues Abkommen zur Umsetzung eines Waffenstillstands geeinigt. Diese Waffenruhe bleibt jedoch an Bedingungen geknüpft: Die Hisbollah muss ihre Angriffe vollständig einstellen und ihre Kämpfer in die Region nördlich des Litani-Flusses abziehen. Anfang der Woche hatte ein israelischer Vorstoß in Richtung Beirut den Iran dazu veranlasst, mit dem Einfrieren seiner eigenen Verhandlungen mit den USA zu drohen. Dieses Einlenken Israels auf Druck Washingtons sorgt nun für eine Entlastung am Markt, auch wenn Teheran beschwichtigt und signalisiert, dass auf bilateraler Ebene noch keine greifbaren Fortschritte erzielt wurden.

Gleichzeitig erhöht der US-Kongress den politischen Druck auf Donald Trump. Das Repräsentantenhaus stimmte mehrheitlich für eine Resolution, die ein Ende des Krieges gegen den Iran fordert, und erinnerte daran, dass für jeden nicht-defensiven Militäreinsatz eine formelle Kriegserklärung des Kongresses erforderlich ist. Obwohl diese Abstimmung zunächst nur symbolischen Charakter hat (da der Text noch den Senat passieren muss und ein Veto des Präsidenten droht), setzt sie ein starkes Zeichen für eine Deeskalation.

Die gestern Nachmittag veröffentlichten offiziellen Statistiken des US-Energieministeriums (DOE) bestätigten die extreme Anspannung auf dem physischen Markt. Die Rohölbestände in den USA brachen in der Woche zum 29. Mai um -8 Millionen Barrel ein, ein deutlich massiverer Rückgang als die vom API geschätzten -6,8 Millionen Barrel. Dieser Rückgang ist auf rekordhohe US-Exporte zurückzuführen, die auf Hochtouren laufen, um die Blockaden im Roten Meer und in der Straße von Hormus auszugleichen. In diesem Zusammenhang behauptete Donald Trump, dass Hormus nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit dem Iran „unverzüglich“ wieder geöffnet werden könnte, räumte jedoch ein, dass eine langwierige Minenräumung der Gewässer unerlässlich sei.

Fundamental bleibt der Trend weiterhin aufwärtsgerichtet. Auch wenn die politische Entspannung im Libanon eine kurze Atempause verschafft, erinnern die Analysten der ING Bank daran, dass das kumulierte Defizit die weltweiten Lagerbestände erheblich aufzehrt. Der Prozess zur Normalisierung der Schiffsströme wird mehrere Monate in Anspruch nehmen, was eine strukturelle Unterversorgung des Marktes aufrechterhält.

Der leichte Rückgang der internationalen Kurse kompensiert das Plus, das gestern zum Handelsschluss verzeichnet wurde. Am heutigen Morgen wird daher mit einer weitgehend stabilen bis sehr leicht aufwärtsgerichteten Entwicklung der inländischen Heizölpreise gerechnet.