Die kurze Phase geopolitischer Ruhe ist in der vergangenen Nacht abrupt zu Ende gegangen und hat eine erneute Flambee der Rohöl- und Produktpreise ausgelöst. Die Hoffnungen auf einen diplomatischen Durchbruch zwischen Washington und Teheran haben sich angesichts einer neuen Welle von Angriffen im Nahen Osten zerschlagen. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) feuerte ballistische Raketen auf einen US-Luftwaffenstützpunkt und ein Kommandozentrum in Jordanien ab, während Berichten zufolge drei Öltanker getroffen und gestoppt wurden. Als Reaktion darauf zielten US- und saudi-arabische Streitkräfte auf Gruppen im Irak ab, die mit den IRGC verbündet sind.
Darüber hinaus lehnte der Iran einen Vorschlag Omans für eine gemeinsame Kontrolle der Straße von Hormuz ab und forderte die vollständige Kontrolle über die Einfahrtsroute sowie eine Teilkontrolle über die Ausfahrtsroute. Da der Schiffsverkehr durch die Meerenge weiterhin extrem eingeschränkt ist und die Huthi-Blockade im Roten Meer anhält, rücken die Risiken von Versorgungsunterbrechungen wieder in den Vordergrund.
Zu diesen geopolitischen Spannungen kommen mehrere preistreibende Faktoren hinzu. Der am Dienstagabend veröffentlichte API-Bericht zeigt einen stärker als erwarteten Rückgang der US-Öllagerbestände. Gleichzeitig verlängert Russland sein Benzin-Exportverbot bis Ende des Jahres, und die Förderung in Libyen bleibt weiterhin gestört. Die Märkte warten nun auf den offiziellen Bericht des US-Energieministeriums (DOE) sowie anschließend auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Reserve Federal.
Der starke Anstieg des ICE Gasoil-Kontrakts, der europäischen Benchmark für Diesel- und Heizölpreise, sowie die geopolitischen Spannungen treiben die Beschaffungskosten weiter nach oben. Infolgedessen verzeichnen die Richtpreise für Heizöl in der Schweiz am heutigen Morgen einen erneuten Anstieg.

