Heizöl-Info vom 27. Mai

Der Ölmarkt setzt seine Korrekturphase fort. Der wachsende Optimismus über ein bevorstehendes Abkommen zwischen Washington und Teheran überwiegt die anhaltenden militärischen Spannungen und die physischen Versorgungsengpässe.

Die diplomatische Situation macht riesige Fortschritte. Nach seiner Rückkehr aus Doha bezeichnete der iranische Chefverhandlungsführer, Mohammad Bager Qalibaf, die Gespräche als „positiv“. Der letzte große Reibungspunkt betrifft nun die Modalitäten für die Freigabe von 24 Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Vermögenswerten. Eine Einigung in allen anderen Bereichen – einschließlich der Wiederöffnung der Straße von Hormus – scheint damit besiegelt zu sein.

Das Abkommen zeichnet sich in zwei Phasen ab: Phase 1 wird die schrittweise Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs und die Freigabe eines Teils der Gelder beinhalten, während Phase 2 das Dossier der Atomfrage behandeln soll. Als Zeichen des guten Willens hat Teheran bereits zwei seit März blockierte Supertanker passieren lassen und damit 4 Millionen Barrel freigegeben. Trotz der antiamerikanischen Parolen von Ayatollah Chamenei und den jüngsten gezielten US-Luftangriffen gegen mutmaßliche Minenleger zeigt sich US-Außenminister Marco Rubio zuversichtlich und spricht von einer Finalisierung innerhalb weniger Tage.

Um sich endgültig von der früheren Abhängigkeit von russischem Gas zu befreien, steht Deutschland vor der Unterzeichnung eines wichtigen strategischen Abkommens mit Kanada. Der kanadische Energieminister Tim Hodgson soll an diesem Mittwoch eine Partnerschaft in British Columbia offiziell bekannt geben. Dieses 7,2 Milliarden Dollar schwere Projekt, das auf deutscher Seite von dem verstaatlichten Unternehmen SEFE getragen wird, wird den Export von bis zu 12 Millionen Tonnen LNG pro Jahr nach Europa ermöglichen.

Die fundamentale Tendenz bleibt mittelfristig neutral. Während die Aussicht auf einen Waffenstillstand die geopolitische Risikoprämie schmelzen lässt, erinnern mehrere Banken und Analysten (Westpac, MST Marquee) daran, dass eine technische und sichere Wiederöffnung von Hormus Monate dauern wird. Das reale physische Defizit wird nicht von heute auf morgen verschwinden, was das Ausmaß des Preisrückgangs kurzfristig begrenzen dürfte. Zu beachten ist, dass die US-Lagerbestandsdaten (API und DOE) in dieser Woche aufgrund des Feiertags am Montag in den USA um einen Tag verschoben sind.

Das nächtliche Abrutschen der Raffinerieprodukte in London sorgt in Kombination mit dem starken Schweizer Franken für eine erneute Runde sinkender Heizölpreise.