Nach einem ereignreichen langen Pfingstwochenende bleibt die Volatilität hoch – zwischen großen Hoffnungen auf einen Waffenstillstand, nächtlichen US-Luftangriffen und heftigen Spannungen in Osteuropa.
Die vom Pakistan vermittelten diplomatischen Verhandlungen haben einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die USA und der Iran arbeiten an einer Absichtserklärung, die eine 60-tägige Aussetzung der Feindseligkeiten vorsieht. Im Gegenzug soll die Straße von Hormus vorübergehend wieder geöffnet, die US-Blockade gelockert und bestimmte eingefrorene iranische Gelder freigegeben werden.
Dennoch bleibt die Lage angespannt: Das US-Kommando (CENTCOM) flog am Montagabend Angriffe nahe der strategisch wichtigen Hafenstadt Bandar Abbas auf iranische Schiffe, die im Verdacht standen, Seeminen auszubringen. Trotz dieser erneuten Spannungen gehen Analysten davon aus, dass der diplomatische Prozess dadurch nicht gefährdet ist.
In Osteuropa verschlechtert sich die Situation derweil zusehends. Nach dem jüngsten Einsatz der neuen interkontinentalen ballistischen Oreschnik-Rakete durch Moskau gegen Kiew forderte der russische Außenminister Sergej Lawrow seinen US-Amtskollegen Marco Rubio auf, amerikanische Diplomaten und Zivilisten aus der ukrainischen Hauptstadt zu evakuieren, da massive Angriffe unmittelbar bevorstünden. Als Reaktion erwarten Beobachter neue gezielte ukrainische Drohnenangriffe auf die russische Energieinfrastruktur.
Die fundamentale Lage wird weiterhin als neutral eingestuft. Obwohl die Hoffnung auf ein Abkommen die geopolitische Risikoprämie hat schrumpfen lassen, mahnen zahlreiche Experten zur Vorsicht. Die Blockade von Hormus dauert seit über vier Monaten an und hält die weltweiten Reserven auf einem historisch niedrigen Niveau. Selbst im Falle einer Unterzeichnung werden die Ölströme nicht sofort wieder voll anlaufen. Der Markt entnimmt den ohnehin unter Druck stehenden kommerziellen Lagerbeständen täglich rund 10 Millionen Barrel, was einige Analysten für Juli einen heftigen Preisschock befürchten lässt, falls nicht rasch wieder Rohöl transportiert werden kann.
Die deutlichen Kursverluste, die während des verlängerten Wochenendes in London und New York verzeichnet wurden, werden sich heute Morgen auf den Inlandsmarkt übertragen und folglich zu sinkenden Heizölpreisen führen.

