Eine Schock-Analyse von Goldman Sachs offenbart, dass die weltweiten Bestände an Rohöl und Raffinerieprodukten in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit schwinden: Seit Beginn des Monats Mai sind sie um täglich 8,7 Millionen Barrel geschrumpft. Dieses Tempo, das doppelt so hoch ist wie vor dem Krieg, ist auf die Blockade von Hormus zurückzuführen (wobei der Schiffsverkehr nur bei 5 % seines normalen Niveaus liegt). Die IEA und der offizielle US-Bericht des DOE bestätigen diese extreme Anspannung auf der Angebotsseite. Experten warnen, dass der Markt selbst bei einem heutigen Ende des Konflikts bis mindestens Oktober unterversorgt bleiben würde und die Bestände an Raffinerieprodukten bereits im Juni unter ihren tiefsten Stand der letzten 5 Jahre fallen werden.
Trotz dieser kritischen physischen Lage sind es die politischen Erklärungen, die den Trend diktieren. Donald Trump bekräftigte gestern Abend, dass sich die Vereinigten Staaten in der „Endphase“ der Verhandlungen mit dem Iran befinden. Während er seine Drohungen für den Fall eines Scheiterns aufrechterhielt, zeigte sich der US-Präsident optimistisch hinsichtlich des Abschlusses eines Abkommens. Getragen von der Hoffnung auf eine rasche Wiederöffnung der Straße von Hormus und einige genehmigte Tankerströme nach China und Indien, haben die Händler ihre Long-Positionen massiv aufgelöst.
Die fundamentale Situation bleibt mittelfristig aufgrund der Erschöpfung der Lagerbestände bullish. Kurzfristig ist die Marktpsychologie jedoch extrem sensibel gegenüber der Hoffnung auf eine Einigung geworden. Sollte ein Deal zustande kommen, würde sich die Lage augenblicklich in einen Bärenmarkt verwandeln.
Der am Mittwochnachmittag verzeichnete Einbruch der internationalen Kurse sorgt heute Morgen für erfreuliche Aussichten mit einem spürbaren Rückgang der Heizölpreise.

