Heizöl-Info vom 9. Juni

Nach dem Spannungspeak am Wochenende sorgen erste Anzeichen einer direkten Deeskalation zwischen Israel und dem Iran für eine Beruhigung der weltweiten Ölpreise. Dennoch bleibt die Lage auf dem physischen Markt aufgrund der anhaltenden Seeblockade im Golf extrem prekär.

Das Gespenst eines totalen Regionalkriegs weicht vorerst zurück. Teheran hat das Ende seiner Militäroperationen gegen Israel verkündet, während der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu bestätigte, die Vergeltungsschläge vorübergehend auszusetzen – sich jedoch das Recht vorbehält, in Zukunft zu reagieren. Auch wenn dieser Status quo psychologische Erleichterung bringt, bleibt die Realität vor Ort explosiv.

Die von Iran und den USA verhängte doppelte Blockade paralysiert weiterhin die Straße von Hormus. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) gab bekannt, im Golf von Oman die Marivex fahrunfähig gemacht zu haben – einen Öltanker unter der Flagge Palaus, der sich den Beidrehbefehlen widersetzte und versuchte, einen iranischen Hafen anzulaufen. An Bord brach ein Feuer aus, die Besatzung blieb jedoch unverletzt. Dieser Zwischenfall führt vor Augen, dass die kommerzielle Schifffahrt in der Region nach wie vor höchst gefährlich ist.

Trotz der politischen Entspannung verhindern die Marktfundamentaldaten einen Einbruch der Preise. Mehrere Analysten betonen, dass die aktuellen Notierungen die Knappheit der weltweiten Bestände unterschätzen und theoretisch weit über 100 US-Dollar liegen müssten, um das physische Defizit widerzuspiegeln. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Veröffentlichung der API-Schätzungen heute Abend und den offiziellen Bericht des US-Energieministeriums (DOE) morgen, die eine knappe Versorgungslage in den USA bestätigen dürften.

Der Trend kann als neutral bis bullish (aufwärtsgerichtet) eingestuft werden. Der Markt profitiert von einer Atempause, doch die Investoren bleiben überzeugt, dass der Waffenstillstand fragil ist. Zudem unterstreichen Experten, dass die Unterzeichnung eines Friedensvertrags die Krise nicht sofort lösen wird: Die tatsächliche Wiederöffnung von Hormus erfordert monatelange Minenräumungen und umfassende Reparaturen an der durch Drohnenangriffe beschädigten Energieinfrastruktur.

Der Rückgang der Kurse in London paart sich mit einer deutlichen Erholung des Euros gegenüber dem Dollar. Diese zweifache Kombination sorgt am heutigen Morgen für eine erfreuliche Überraschung mit einem klaren Preisnachlass beim inländischen Heizöl.