Während der Markt die vergangene Woche noch mit Verlusten beendet hatte, war das Wochenende von einer massiven geopolitischen Verschlechterung geprägt, was am heutigen Montag, dem 8. Juni, zu einem heftigen Preissprung an den Börsen führte.
Der Konflikt hat eine kritische Stufe erreicht. Zum ersten Mal seit dem Waffenstillstandsabkommen im April hat der Iran wieder direkte Raketenangriffe gegen Israel gestartet und diesen Schritt mit wiederholten Verstößen der israelischen Armee im Libanon begründet. Israel reagierte in der vergangenen Nacht umgehend mit Vergeltungsschlägen und nahm militärische Ziele auf iranischem Territorium ins Visier.
Gleichzeitig bleibt die Spannung auf den Seewegen maximal: Das US-Zentralkommando (CENTCOM) zerstörte zwei bedrohliche iranische Kampfdrohnen in der Straße von Hormus, während der Iran bereits am Freitag sechs Raketen in Richtung Bahrain und Kuwait abgefeuert hatte. Angesichts dieses Chaos bemüht sich Donald Trump um Beruhigung und behauptet, ein Abkommen mit Teheran stehe kurz bevor und Benjamin Netanjahu werde keine andere Wahl haben, als sich diesem zu fügen, auch wenn der Einfluss des US-Präsidenten vor Ort zunehmend infrage gestellt wird.
Bei ihrer Sitzung am Sonntag beschloss die OPEC+, an ihrer Roadmap festzuhalten und ihre Förderziele für den Monat Juli rein rechnerisch um +188.000 Barrel pro Tag anzuheben. Experten bezeichnen diese Entscheidung jedoch als reine Symbolpolitik. In Wirklichkeit verhindert die anhaltende Blockade der Straße von Hormus die Exporte der Kartellmitglieder: Die tatsächliche Produktion der Gruppe brach im April auf nur noch 33,19 Millionen Barrel pro Tag ein, ein kolossaler Verlust. Unterdessen versucht die saudi-arabische Ölgesellschaft Aramco gegenzusteuern, indem sie ihre offiziellen Verkaufspreise für Juli insbesondere nach Europa und Asien drastisch senkt.
Die fundamentale Gesamtbewertung wechselt damit wieder auf klar aufwärtsgerichtet. Der Markt erkennt, dass er zu schnell auf Frieden gesetzt hat. Nicht nur, dass die politischen Positionen unvereinbar bleiben; Experten erinnern auch daran, dass eine Rückkehr zur Normalität selbst im Falle einer Einigung extrem langwierig sein wird: Die Minenräumung in Hormus und die Reparatur der beschädigten Infrastruktur dürften viele Monate, wenn nicht sogar Jahre in Anspruch nehmen.
Der heftige Preissprung an den internationalen Märkten macht die Rückgänge vom Freitag vollständig zunichte. Am heutigen Morgen wird daher mit einem spürbaren Anstieg der inländischen Heizölpreise gerechnet.

