Der Ölmarkt vollzieht an diesem Mittwoch, dem 6. Mai, eine unerwartete Kehrtwende. Nach Tagen extremer Spannungen sorgt die Hoffnung auf einen diplomatischen Durchbruch zwischen Washington und Teheran für einen deutlichen Rückgang der Notierungen und das trotz US Bestandsdaten, die die Preise unter normalen Umständen hätten steigen lassen.
Gegen alle Erwartungen kündigte Donald Trump die vorübergehende Aussetzung der militärischen Eskorten in der Straße von Hormus an. Der US-Präsident sprach von großartigen Fortschritten auf dem Weg zu einem umfassenden und endgültigen Abkommen mit dem Iran, eine Vermittlung, die durch Pakistan erleichtert wurde. Auch wenn Teheran offiziell weiterhin Kritik an der Politik des maximalen Drucks übt, reduziert diese Pause unmittelbar die geopolitische Risikoprämie.
Dabei fielen die gestern Abend veröffentlichten API-Zahlen eindeutig bullish aus:
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Rohöl: -8,1 Mio. Barrel (gegenüber -2,3 Mio. erwartet).
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Benzin: -6,1 Mio. Barrel.
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Destillate: -4,6 Mio. Barrel. Dieser massive Abbau bestätigt, dass die Blockade von Hormus die Importländer dazu zwingt, ihre Reserven anzugreifen. Sollten diese Zahlen heute Nachmittag (16:30 Uhr) durch den offiziellen DOE-Bericht bestätigt werden, könnten sie den aktuellen Preisrückgang bremsen.
Zusätzlich kündigte Saudi Aramco eine Senkung seiner offiziellen Verkaufspreise für Juni in Richtung Europa (-2 $) und Asien (-4 $) an. Obwohl diese Senkung weniger stark ausfällt als von Analysten erwartet, signalisiert sie einen Willen zur Normalisierung. Derweil versucht der durch die Blockade unter Druck gesetzte Irak, sein Öl mit massiven Preisnachlässen abzusetzen, um die Transportrisiken im Golf zu kompensieren.
Die gestern Abend einsetzende und heute Morgen bestätigte Entspannung sorgt für ein Aufatmen am Markt. Wir erwarten daher heute Morgen einen spürbaren Rückgang der Heizölpreise.

