Die Ölnotierungen starten an diesem Dienstag, 30. Juni, mit einer schwächeren Tendenz in den Handel. Während der Markt die vorübergehende Beruhigung der geopolitischen Spannungen vom Wochenende verarbeitet, richtet sich die Aufmerksamkeit auf Doha, wo sich mögliche Gespräche abzeichnen, während erneute Abwärtskorrekturen der Preisprognosen den fundamentalen Druck verstärken.
Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen haben die Analysten von Morgan Stanley ihre Preisprognosen für Brent-Rohöl gesenkt und erwarten nun für das dritte und vierte Quartal 2026 einen Durchschnittspreis von jeweils 75 Dollar pro Barrel. Die Bank begründet diese Korrektur mit der schneller als erwarteten Erholung des Supertankerverkehrs in der Straße von Hormus, der am vergangenen Donnerstag mit 35 registrierten Schiffen wieder sein Vorkriegsniveau erreicht hat, kombiniert mit einem robusten US-Angebot und einer strukturell weiterhin mäßigen Nachfrage aus China.
Nach dem kurzen, aber heftigen bewaffneten Konflikt am Wochenende haben Washington und Teheran ihre gegenseitigen Angriffe eingestellt. Donald Trump stellte künftige Gespräche in Doha in Aussicht, doch es bleibt unübersichtlich: Teheran betont, nur mit dem Oman über die bilaterale Verwaltung der Straße von Hormus verhandeln zu wollen. Der stellvertretende iranische Außenminister warnte zudem, dass der Iran die Regelung des Schiffsverkehrs im Bedarfsfall auch alleine übernehmen werde und keine ausländische Einmischung dulde, was Zweifel daran aufkommen lässt, ob die Durchfahrt nach der 60-tägigen Schonfrist weiterhin gebührenfrei bleiben wird.
Wir treten daher in eine Phase der Abwartetendenz ein. Angesichts dieser gegensätzlichen Kräfte und des Wartens auf klarere politische Signale aus Katar zeigen sich die Heizölpreise in der Schweiz am heutigen Morgen relativ stabil.

