Heizöl-Info vom 1. Juli

Während Rohöl (Brent) weiterhin unter dem Druck langfristig bearish ausgerichteter Fundamentaldaten steht, zeigt sich der Markt für raffinierte Produkte (Gasoil) an diesem Morgen in London bemerkenswert fest.

Auf geopolitischer Ebene bleiben die diplomatischen Kanäle in Katar offen. Die US-Unterhändler führen in Doha Gespräche, die als fortschreitend bezeichnet werden. Der Iran und das Gastgeberland stellten jedoch klar, dass die amerikanische Delegation nicht direkt mit iranischen Vertretern zusammentrifft, sondern die Verhandlungen über Vermittler ablaufen. Parallel dazu entspannt sich die logistische Lage: Der Supertankerverkehr in der Straße von Hormus hat sich wieder erholt und erreicht eine Frequenz von rund 35 Schiffen pro Tag, was einer Rückkehr auf das Vorkriegsniveau entspricht. Dennoch bekräftigt Teheran seine Absicht, den Schiffsverkehr zu regulieren und perspektivisch Transitgebühren zu erheben, was eine vollständige Entspannung bremst.

Der gestern Abend veröffentlichte Wochenbericht des American Petroleum Institute (API) weist einen deutlichen Rückgang der kommerziellen US-Rohölbestände um 6,1 Millionen Barrel aus. Im Gegensatz dazu stiegen die Bestände an Destillaten um 2,9 Millionen Barrel. Ein positives Zeichen kommt aus dem Zentrallager in Cushing, wo die Reserven einen moderaten Zuwachs von 0,5 Millionen Barrel verzeichneten und damit eine neunwöchige Abwärtsschleife unterhalb der kritischen Marke von 20 Millionen Barrel durchbrachen. Der Markt wartet nun auf die detaillierte Bestätigung dieser Daten durch den offiziellen DOE-Bericht an diesem Nachmittag.

Mittelfristig bleibt der fundamentale Gesamttrend neutral bis bearish. Ähnlich wie Morgan Stanley rechnen auch die Analysten von Goldman Sachs mit einer raschen Normalisierung der Schiffsströme bis Ende Juli, was im Jahr 2027 zu einem weltweiten Angebotsüberschuss von fast 2 Millionen Barrel pro Tag führen könnte.

Der Aufwärtsdruck auf dem Schweizer Markt verschärft sich Mitte der Woche deutlich. Getrieben von der anhaltenden Erholung des Gasoil-Kurses in London, die sich gestern Nachmittag abzeichnete und heute Morgen bestätigte, verzeichnen die Heizölpreise in der Schweiz einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vortag. Die sektorale Entkopplung zwischen günstigem Rohöl und unter Druck stehenden Endprodukten (bedingt durch Streiks in Europa und Hitzewellen) hält den unmittelbaren Trend fest auf Aufwärtskurs.