Die Situation im Nahen Osten explodiert förmlich. Während die Hoffnung auf einen Waffenstillstand von Stunde zu Stunde schwindet, sorgen die Eskalation der militärischen Feindseligkeiten und alarmierende Lagerbestandsdaten am heutigen Mittwoch, dem 3. Juni, für einen massiven Sprung der weltweiten Ölpreise.
Die Diplomatie hat den Waffen Platz gemacht. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) meldete eine Häufung iranischer Angriffe: Zwei Raketen wurden in Richtung Kuwait abgefeuert, drei weitere auf Bahrain zielende Raketen mussten von der Luftabwehr abgefangen werden, und drei Drohnen, die auf Handelsschiffe zusteuerten, wurden in der Straße von Hormus abgeschossen. Noch schwerwiegender wiegt, dass US-Streitkräfte einen leeren Tanker fahrunfähig machten, der auf dem Weg nach Kharg war, dem wichtigsten iranischen Exportterminal. Dies ist bereits das sechste Schiff, das seit Mitte April von den USA im Zuge von Blockademaßnahmen fahrunfähig gemacht wurde, während 122 weitere Schiffe umgeleitet wurden. Inmitten dieses Chaos hat Teheran jeglichen Kontakt mit Washington eingefroren und die beruhigenden Erklärungen Trumps als irreführend bezeichnet.
Die geopolitische Krise geht mit einer extremen Anspannung auf der physischen Angebotsseite einher. Das American Petroleum Institute (API) meldete für die Woche zum 29. Mai einen erneuten massiven Rückgang der Rohölbestände um -6,8 Millionen Barrel. Dies ist der siebte wöchentliche Rückgang in Folge, der zudem doppelt so hoch ausfiel wie von Analysten erwartet (-3,3 Millionen). Während die Bestände an Destillaten (Heizöl) leicht sanken (-0,2 Millionen), erholten sich die Benzinreserven technisch (+3,5 Millionen). Der Markt bleibt jedoch auf das globale Abschmelzen der Lagerbestände vor Beginn der sommerlichen Reisewelle fokussiert.
Der fundamentale Gesamttrend zeigt sich nun als klar aufwärtsgerichtet. Die einflussreichsten Analysten warnen, dass eine Rückkehr zur Normalität kurzfristig illusorisch ist und die Preise eine maximale Risikoprämie beinhalten. Einige Experten ziehen mittlerweile offen die Möglichkeit in Betracht, dass der Preis für ein Barrel Brent die Marke von 180 US-Dollar überschreiten könnte, sollten sich die weltweiten Lager vor dem Nachfragehöhepunkt im dritten Quartal vollständig leeren.
Der kumulierte Preissprung bei Rohöl und raffinierten Produkten in London löst einen sofortigen und massiven Aufschlag auf die Notierungen aus. Infolgedessen verzeichnen die inländischen Heizölpreise heute Morgen einen spürbaren und deutlichen Anstieg.

