Diese besonders volatile Woche geht am heutigen Freitag, dem 29. Mai, mit einer rückläufigen Tendenz zu Ende. Die immer lauteren Gerüchte über ein bevorstehendes Abkommen im Nahen Osten überschatten dabei die jüngsten, eigentlich alarmierenden US-Öllagerdaten.
Das US-Nachrichtenportal Axios sorgte mit der Meldung für Aufsehen, dass sich die USA und der Iran auf ein Rahmenabkommen geeinigt hätten. Der Text sieht eine Verlängerung des Waffenstillstands um weitere 60 Tage vor, eine Phase, in der über das iranische Atomprogramm verhandelt werden soll, sowie eine vollständige und gebührenfreie Wiederöffnung der Straße von Hormus.
Obwohl die technischen Bedingungen bereits seit Dienstag weitgehend ausgearbeitet waren, hat sich Donald Trump einige Tage Bedenkzeit erbeten, bevor er seine Unterschrift offiziell unter das Papier setzt. Vizepräsident JD Vance bestätigte erhebliche Fortschritte, während sowohl Teheran als auch das US-Finanzministerium die Erwartungen dämpfen und betonen, dass nichts offiziell sei, solange der US-Präsident nicht unterzeichnet hat. Unterdessen konnten bereits mehrere Tanker das Rote Meer und die Straße von Hormus passieren, was eine gewisse Entspannung vor Ort signalisiert.
Die gestern mit einem Tag Verspätung veröffentlichten offiziellen Daten des US-Energieministeriums (DOE) fielen unterdessen extrem bullish (preisstützend) aus. Die Rohölbestände sanken um -3,3 Millionen Barrel, während die Benzinreserven um -2,6 Millionen Barrel zurückgingen, der mittlerweile 15. wöchentliche Rückgang in Folge. Noch beeindruckender: Trotz einer sehr hohen Raffinerieauslastung von 94,5 % erreichten die Bestände an Destillaten (Heizöl, Diesel) den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten. Die USA exportieren aktuell massiv, um die Ausfälle durch den Exportstau an der Straße von Hormus zu kompensieren, was die eigenen Lager leert.
Die globale fundamentale Situation wird weiterhin als neutral eingestuft. Auch wenn die Hoffnung auf ein Abkommen die geopolitische Risikoprämie schrumpfen lässt, mahnen Experten, dass der Weg zurück zur Normalität lang sein wird. Selbst wenn der Deal am Wochenende besiegelt wird, müssen zunächst Seeminen geräumt, beschädigte Infrastrukturen repariert und seit drei Monaten stillgelegte Förderanlagen langsam wieder hochgefahren werden.
Dank dieser globalen Gesamtentwicklung wird heute Morgen mit einem erneuten Preisrückgang bei den inländischen Heizölnotierungen im Vergleich zum Donnerstagvormittag gerechnet, was den bestehenden Abwärtstrend weiter verlängert.

