Während sich die Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten am Freitagabend fast vollständig aus den Rohölpreisen verflüchtigt hatten, zeigen sich die raffinierten Produkte (Heizöl, Kraftstoffe) am heutigen Morgen weiterhin aufwärtsgerichtet, was ein gewisses Maß an Unsicherheit aufrechterhält.
Die Spannungen in der Straße von Hormus sind am Wochenende nach dem Angriff auf den Supertanker Kiku, der mit katarischem Rohöl beladen war, abrupt wieder angestiegen. Die USA machten den Iran für den Angriff verantwortlich und reagierten mit Luftschlägen auf Stellungen des iranischen Militärs, was wiederum Gegenangriffe Teherans auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain nach sich zog.
Obwohl am Sonntag rasch eine Vereinbarung über die vorübergehende Einstellung der Angriffe erzielt werden konnte, um die Feindseligkeiten zu stoppen, erschüttert dieser Vorfall die Verhandlungen auf dem Bürgenstock. Die für diese Woche in Doha geplanten technischen Gespräche scheinen gefährdet, da die iranische Diplomatie durchblicken ließ, wegen dieser jüngsten Angriffe nicht teilzunehmen. Zudem betonten die Revolutionsgarden erneut, dass die Regelung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus beim Iran liege, und drohten damit, künftig härter gegen verstoßende Schiffe vorzugehen.
Rohöl bleibt aufgrund einer schwachen chinesischen Nachfrage und eines reichlicheren Angebots aus der Golfregion unter Druck. Im Gegensatz dazu erweisen sich die raffinierten Produkte weiterhin als widerstandsfähig. In Europa wird die Produktion in dieser Woche durch einen Streik in der ExxonMobil-Raffinerie in Antwerpen beeinträchtigt. Darüber hinaus hat der russische Präsident Wladimir Putin öffentlich Versorgungsengpässe auf seinem Binnenmarkt eingeräumt und bestätigt, dass ein vollständiges Exportverbot für russischen Diesel von seiner Regierung an diesem Montag aktiv diskutiert wird.
Der fundamentale Gesamttrend bleibt neutral bis bearish. Die Investoren schwanken zwischen der Berücksichtigung einer schrittweisen Rückkehr der Rohölströme auf lange Sicht und der Angst vor neuen logistischen Blockaden auf kurze Sicht nach den Vorfällen des Wochenendes.
Die Woche beginnt mit einer ausgeprägten Instabilität auf dem Schweizer Markt. Der kräftige Anstieg von Gasoil in London am Ende der vergangenen Woche sorgt für ein theoretisches Aufwärtspotenzial. Angesichts des eher nachgebenden Rohöls und des unsicheren geopolitischen Kontexts agiert der Binnenmarkt am heutigen Morgen jedoch mit großer Vorsicht. Die Heizölpreise bleiben sehr schwankungsanfällig und tun sich vorerst schwer, eine einheitliche und endgültige Richtung einzuschlagen.

