Der Ölmarkt befindet sich an diesem Dienstag, dem 28. April, in einer Aufwärtsspirale, nachdem der Brent-Preis den sechsten Handelstag in Folge zugelegt hat und nun über 108 Dollar notiert. Trotz eines diplomatischen Hoffnungsschimmers bleibt der Markt skeptisch angesichts der Realität in der Straße von Hormus, die nahezu verwaist ist.
Der Iran hat den USA offiziell einen neuen Vorschlag zur Beendigung des Konflikts und zur Wiederöffnung der Straße von Hormus übermittelt. Teheran schlägt vor, das Ende des Krieges vollständig von den Verhandlungen über das Atomprogramm zu trennen, die auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden sollen. Donald Trump hat seine Berater im Weißen Haus versammelt, um diesen Text zu prüfen, den er als „viel besser“ als die vorangegangenen bezeichnete. Gleichzeitig beharrt er jedoch auf seiner roten Linie: dem vollständigen Abzug von hochangereichertem Uran von iranischem Boden.
Trotz der Gespräche ist die maritime Lage für die Weltwirtschaft katastrophal. Gestern passierten lediglich sieben Schiffe die Meerenge, verglichen mit einem Durchschnitt von 140 vor dem Krieg. Während zwei iranische Tanker die Blockade durchbrechen konnten, um Asien mit 4 Millionen Barrel zu erreichen, hat die US-Marine seit Beginn der Blockade Mitte April bereits 37 Schiffe umgeleitet. Der Iran droht seinerseits damit, seine Kontrolle über den Seeweg zu institutionalisieren, indem er Durchgangsgebühren von 2 Millionen Dollar pro Schiff erhebt.
Die wachsende Preisdifferenz zwischen Brent (Nordsee) und WTI (USA) macht amerikanisches Öl extrem attraktiv. Analysten prognostizieren, dass die US-Rohölexporte in den kommenden Tagen neue historische Höchststände erreichen könnten, da die Welt verzweifelt nach Alternativen zu den im Golf blockierten Barrels sucht.
Für den Binnenmarkt wirkt der Börsenanstieg vom Montag an diesem Morgen noch nach und wird die Heizölpreise auf ihrem aktuellen Niveau halten.

