Nach einem Wochenende extremer Spannungen, das von neuen Drohungen Donald Trumps und Gerüchten über eine Schließung der Straße von Hormus geprägt war, sorgt der überraschend konstruktive Auftakt der Verhandlungen in der Schweiz für eine unerwartete Erleichterung.
Das Wochenende verlief überaus turbulent. Angesichts der anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon behauptete Teheran am Samstag, die Straße von Hormus erneut blockiert zu haben. Obwohl Washington diese Maßnahme bestritt, zeigten Schifffahrtsdaten eine spürbare Verlangsamung des Schiffsverkehrs. Getreu seinem Stil reagierte Donald Trump umgehend auf seinen Social-Media-Kanälen und drohte dem Iran mit einem noch härteren Schlag.
Dennoch haben die amerikanische und die iranische Delegation am Sonntag entgegen allen Erwartungen ihre Gespräche auf dem Bürgenstock bei Luzern unter der Vermittlung von Katar und Pakistan aufgenommen. Die ersten Rückmeldungen werden als überraschend positiv gewertet: Ein 60-tägiger Arbeitsplan wurde validiert und es sollen Expertengruppen gebildet werden, die sich mit dem Atomprogramm und den Sanktionen befassen. Zudem soll ein direkter Kommunikationskanal mit dem Libanon eingerichtet werden, um maritime Zwischenfälle in der Straße von Hormus zu verhindern.
Auch wenn die Gespräche in der Schweiz die Atmosphäre entspannen, bleiben die Experten gespalten. Die Bank of America prognostiziert mittelfristig einen nachhaltigen Rückgang und sieht den Brent-Preis im Falle einer vollständigen Wiederöffnung bis 2027 bei 70 US-Dollar. Im Gegensatz dazu ist die Commonwealth Bank of Australia der Ansicht, dass der Markt zu optimistisch ist. Sie gibt zu bedenken, dass logistische Störungen und die Zurückhaltung der Reedereien, in den Golf zurückzukehren, den Rückfluss von Rohöl nachhaltig bremsen werden, während gleichzeitig die chinesische Nachfrage Anzeichen einer strukturellen Schwäche zeigt.
Der fundamentale Gesamttrend wechselt auf neutral bis bearish. Die positiven Signale aus den Gesprächen in der Schweiz gewinnen die Oberhand über die militärischen Spannungen des Wochenendes und wenden das Szenario einer erneuten unkontrollierten Eskalation vorerst ab.
Der Wochenbeginn bringt eine willkommene Phase der Stabilisierung. Im rein technischen Vergleich zum Freitagmorgen verzeichnen die Preise einen leichten Anstieg. Die am heutigen Morgen an den Weltbörsen beobachtete Entspannung stoppt jedoch den Aufwärtstrend, wischt die zugespitzte Sorge des Wochenendes beiseite und garantiert stabile Preise im Vergleich zu den letzten Notierungen vom Freitagabend.

