Diese neue Woche beginnt in einem Klima extremer Instabilität. Die kurze Erleichterung vom Freitag ist über das Wochenende verflogen und hat einer neuen militärischen und diplomatischen Eskalation Platz gemacht, die die Kurse erneut nach oben treibt.
Am Freitagnachmittag hatte Teheran mit der Ankündigung einer vorübergehenden Öffnung der Straße von Hormus für Überraschung gesorgt, was zu einem spektakulären Kurseinbruch von über 11 % führte. Dieser humanitäre Korridor dauerte jedoch nur 24 Stunden an. Am Samstagabend schloss der Iran die Meerenge wieder und verwies auf die Fortsetzung der US-Seeblockade. Von den hunderten wartenden Schiffen konnten nur etwa zwanzig die Passage nutzen, wodurch der Welthandel erneut gelähmt ist.
Die Lage eskalierte am Sonntagabend weiter, als die US-Marine einen iranischen Frachter im Golf von Oman abfing und unter ihre Kontrolle brachte. Washington warf dem Schiff vor, die Blockade durchbrechen zu wollen, um den Hafen von Bandar Abbas anzulaufen. Teheran verurteilte dies umgehend als Akt bewaffneter Piraterie und als Bruch der Waffenruhe. Infolgedessen sagte der Iran seine Teilnahme an der zweiten Verhandlungsrunde ab, die morgen in Islamabad stattfinden sollte, was die Friedenshoffnungen von Donald Trump massiv dämpft.
Analysten betonen, dass der Markt derzeit zu heftig auf widersprüchliche Signale aus den sozialen Medien reagiert, während die physische Realität unverändert bleibt: Die Lieferströme sind blockiert. Etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggasangebots bleibt vom Markt abgeschnitten. Ohne verlässliche Sicherheitsgarantien weigern sich die Reedereien nun, das Risiko der Durchfahrt einzugehen, selbst bei kurzzeitigen Öffnungen.
Nach dem Einbruch vom Freitag erholen sich die Futures für Brent und Gasoil (Heizöl) an diesem Morgen kräftig. Brent notiert wieder über 95 Dollar. Der Markt wartet nun gespannt darauf, ob es der US-Delegation (angeführt von JD Vance und Jared Kushner) gelingt, den Kontakt in Islamabad dennoch wiederherzustellen.
Auch wenn die Börsenpreise heute Morgen steigen, bleiben sie dank des Crashs vom Freitagnachmittag vorerst unter den Höchstständen der Vorwoche.

