Der Ölmarkt atmet nach einer nächtlichen geopolitischen Kehrtwende endlich auf. Zwischen der überraschenden Absage US-amerikanischer Militärschläge und einer unerwarteten Lockerung der Sanktionen durch Washington beruhigt sich die Lage vorübergehend.
Während für heute eine unmittelbar bevorstehende US-Offensive befürchtet worden war, kündigte Donald Trump an, den geplanten Militärschlag gegen den Iran vorerst ausgesetzt zu haben. Der US-Präsident gab an, den dringenden Bitten seiner Verbündeten in der Region (Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Katar) nachgegeben zu haben, die auf ernsthafte Verhandlungen verweisen. Zudem hat der diplomatische Kanal Pakistans ein neues Angebot Teherans an Washington übermittelt. Trump hält jedoch seinen gewohnten Druck aufrecht und erinnert daran, dass die militärische Option weiterhin jederzeit kurzfristig aktiviert werden kann.
Um den durch die Blockade der Straße von Hormus asfixiierten Weltmarkt zu entlasten, sorgte das US-Finanzministerium für eine Überraschung: Es verlängerte die Ausnahmeregelungen für den Kauf von auf dem Seeweg transportiertem russischem Öl (für bereits geladene Mengen) um weitere 30 Tage. Finanzminister Scott Bessent stellte klar, dass diese Maßnahme darauf abzielt, den am stärksten abhängigen Ländern Flexibilität zu bieten, um den physischen Markt zu stabilisieren.
Die Märkte zeigen Anzeichen einer Gewöhnung an die widersprüchlichen Erklärungen. Während das kurzfristige Kriegsrisiko nachlässt, hat der Iran eine offizielle Behörde zur Kontrolle der Schifffahrt in Hormus eingerichtet, und die Erholung des Schiffsverkehrs verläuft weiterhin sehr schleppend. Analysten stufen die fundamentale Lage nun als neutral ein: Die diplomatische Beruhigung gleicht den nach wie vor kritischen Zustand der weltweiten Lagerbestände aus.
Dank der gestern Spätabend im Zuge von Trumps Ankündigungen eingesetzten Entspannung wird der Preisanstieg vom Montagmorgen gestoppt. Für diesen Dienstag wird mit einer Stabilisierung der Heizölpreise gerechnet.

