Der Ölmarkt steht am heutigen Donnerstag, dem 16. April, weiterhin unter Hochspannung. Während die Anleger auf eine Beruhigung der Lage gehofft hatten, verschärfte Teheran den Ton und drohte mit der Ausweitung des Konflikts auf eine neue strategische Zone, was die Hoffnungen auf einen nachhaltigen Preisrückgang zunichtemachte.
Der Iran droht mit einer Blockade des Roten Meeres. Als Reaktion auf die Anfang der Woche von den USA verhängte Seeblockade sprach der iranische Generalmajor Ali Abdollahi eine deutliche Warnung aus: Sollte Washington weiterhin iranische Tanker abfangen, wird Teheran jeglichen Handelsverkehr im Roten Meer unterbinden. Diese Drohung wird sehr ernst genommen, da das Rote Meer die wichtigste Alternativroute für Saudi-Arabien ist, um Öl zu exportieren und die Straße von Hormus zu umgehen. Eine doppelte Blockade (Hormus + Rotes Meer) würde das weltweite Angebot lähmen und die Preise auf neue Höchststände treiben.
Anstatt einzulenken, intensivieren die USA ihre Strategie des maximalen Drucks. Das US-Finanzministerium setzte ein Dutzend Organisationen und Schiffe, die mit dem Netzwerk des iranischen Ölmagnaten Hossein Shamkhani in Verbindung stehen, auf die schwarze Liste. Zudem bestätigte das Pentagon die Entsendung zusätzlicher Truppen in den Nahen Osten, um die Seewege zu sichern – eine Ankündigung, die die Rohölpreise bereits gestern Nachmittag stützte.
Die US-Lagerbestände widersprechen den Prognosen: Während die Industrie (API) einen massiven Aufbau der Bestände vorausgesagt hatte, offenbarte der offizielle Bericht des DOE (Energieministerium) eine deutlich angespanntere Lage. Sinkende Bestände bei Rohöl und raffinierten Produkten aufgrund einer robusten nationalen und internationalen Nachfrage belegen einen physischen Mangel am Markt und machten den preisdämpfenden Effekt der diplomatischen Hoffnungen zunichte.
Die gestern Morgen beobachtete Entspannung ist bereits wieder verflogen. Die Bedrohung des Roten Meeres und die Daten zu den US-Lagerbeständen treiben die Preise an diesem Donnerstagmorgen nach oben. Im Vergleich zum Mittwochmorgen wird daher mit einem Anstieg der Heizölpreise gerechnet.

