Während die Drohung einer Vollsperrung der Straße von Hormus gestern Morgen noch das Schlimmste befürchten ließ, hat eine erneute Kehrtwende von Donald Trump über Nacht zu einem regelrechten Einbruch der weltweiten Ölpreise geführt. Zum ersten Mal seit April fällt das Barrel Brent wieder unter die symbolische Marke von 90 US-Dollar, was vor dem Wochenende für eine äußerst positive Überraschung bei den inländischen Heizölpreisen sorgt.
Das geopolitische Szenario hat sich innerhalb weniger Stunden komplett gedreht. Nachdem Donald Trump Teheran noch gestern Nachmittag mit massiven Bombardierungen gedroht hatte, verkündete er am Abend schließlich die Absage aller geplanten Angriffe. Der US-Präsident behauptete, die Verhandlungen seien auf höchster Ebene des iranischen Staates gebilligt worden und ein endgültiges Friedensabkommen liege zur Unterzeichnung bereit, möglicherweise bereits an diesem Wochenende in Europa. Laut ihm wird die Unterzeichnung dieses Abkommens zur sofortigen Wiederöffnung der Straße von Hormus führen.
Auch wenn die iranische Diplomatie diesen Optimismus dämpft und daran erinnert, dass noch Kernpunkte geprüft werden müssen und kein Text offiziell unterzeichnet ist, reichte die Absage der US-Militärschläge aus, um bei den Investoren eine massive und sofortige Erleichterung auszulösen.
Der gestern Nachmittag veröffentlichte OPEC-Monatsbericht bestätigte, dass die Ölbestände der OECD-Länder im April um 48 Millionen Barrel geschrumpft sind und damit deutlich unter ihrem Fünfjahresdurchschnitt liegen. Diese physische Knappheit hält den Druck auf die Inflation hoch. Um der steigenden Teuerung entgegenzuwirken, hat die Europäische Zentralbank (EZB) gestern erwartungsgemäß die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Langfristig wirken diese Zinserhöhungen wie eine Bremse auf die Wirtschaft und lasten auf der Rohölnachfrage, was zur Entspannung der Kurse beiträgt.
Der globale Markttrend wechselt damit auf neutral. Obwohl der Markt dank der abgesagten Bombardierungen aufatmet, bleiben die Händler vorsichtig. Die Diskrepanz zwischen den Erfolgsmeldungen von Donald Trump und der Zurückhaltung aus Teheran zeigt, dass die Lage extrem instabil bleibt. Solange die Straße von Hormus nicht physisch wieder geöffnet und von Minen geräumt ist, bleibt Wachsamkeit das Gebot der Stunde.
Der Einbruch an den internationalen Märkten macht die gestrigen Zuwächse vollständig rückgängig und sorgt vor dem Wochenende für Beruhigung. Am heutigen Morgen wird daher mit einem spürbaren Rückgang der Heizölpreise gerechnet.

