Nach einer kurzen Atempause flammt der Ölmarkt erneut auf. Eine zweite Welle massiver Angriffe zwischen den USA und dem Iran in der Nähe der Straße von Hormus lässt die geopolitische Risikoprämie wieder anschwellen und macht den Preisrückgang vom Vortag sofort zunichte.
Der direkte Konflikt zwischen Washington und Teheran hat in der vergangenen Nacht eine neue kritische Stufe erreicht. Auf Befehl von Donald Trump startete das US-Militär eine neue Serie gezielter Luftangriffe auf iranisches Territorium. Begründet wurde dies mit der anhaltenden Aggression Teherans nach dem Abschuss eines US-Hubschraubers. Als Vergeltung erklärte die iranische Regierung offiziell die sofortige Vollsperrung der Straße von Hormus und drohte mit dem Beschuss jedes Handelsschiffs, das versucht, die Meerenge zu passieren.
Das US-Zentralkommando (CENTCOM) dementierte diese Sperrung umgehend und erklärte, dass der Seeverkehr weiterhin normal in beide Richtungen laufe. Donald Trump enthüllte zudem die Existenz einer geheimen US-Mission, die in den letzten Tagen den sicheren Transport von 100 Millionen Barrel Öl aus der Golfregion ermöglicht habe. Dennoch löste die Ankündigung einer Blockade durch Teheran bei den Investoren einen sofortigen psychologischen Schock aus.
Um dem Preisanstieg entgegenzuwirken, leeren die Großmächte ihre Tanks weiterhin in besorgniserregendem Tempo. Der wöchentliche Bericht des US-Energieministeriums (DOE) bestätigte einen erneuten massiven Rückgang der Rohölbestände in den Vereinigten Staaten. Sollte das aktuelle Tempo anhalten, könnte die staatliche strategische Ölreserve (SPR) der USA bereits nächste Woche ihren niedrigsten Stand seit über 40 Jahren erreichen. Parallel dazu greift auch China massiv auf seine eigenen Sicherheitsreserven zurück, was dessen offizielle Rohölimporte vorübergehend einbrechen ließ.
Die fundamentale Gesamtbewertung ist von nun an wieder aufwärtsgerichtet. Während einige Analysten (PVM) noch glauben, dass der Markt ein unkontrollierbares Defizit vermeiden kann, befürchten andere Experten, dass wir uns einem Wendepunkt nähern, der den Preis pro Barrel weit über die symbolische Marke von 100 US-Dollar treiben könnte. Die Aufmerksamkeit richtet sich am Nachmittag auf die Veröffentlichung des OPEC-Monatsberichts, auch wenn dessen Prognosen durch die militärischen Ereignisse der Nacht bereits überholt sein könnten.
Das Zeitfenster für sinkende Preise schließt sich somit wieder. Die kräftige Erholung der Weltmarktpreise löscht die gestrigen Abschläge vollständig aus, sodass am heutigen Morgen mit einem spürbaren Anstieg der inländischen Heizölpreise gerechnet wird.

