Trotz einer erneuten Nacht mit direkten Konfrontationen und Vergeltungsschlägen zwischen den USA und dem Iran bleiben die weltweiten Ölpreise stabil und setzen sogar ihren am Vortag begonnenen Rückgang fort. Die Sorgen vor einer weltweiten Konjunkturabkühlung verdrängen die Geopolitik vorübergehend in den Hintergrund, was zu einem weiteren Preisrückgang auf dem inländischen Markt führt.
Die Spannungen erreichten eine neue Stufe, nachdem der Iran einen amerikanischen Militärhubschrauber vom Typ Apache AH-64 abgeschossen hatte, der in der Nähe der Straße von Hormus patrouillierte. Donald Trump ordnete umgehend massive und kraftvolle Vergeltungsschläge gegen iranische Stützpunkte an. Die Reaktion Teherans ließ nicht lange auf sich warten: Die Revolutionsgarden starteten einen Drohnenangriff auf die in Bahrain stationierte US-Flotte und nahmen einen Stützpunkt in Jordanien ins Visier. Paradoxerweise verfallen die Investoren nicht in Panik. Sie schätzen diese Angriffe als verhältnismäßig und zielgerichtet ein, was zeigt, dass beide Supermächte Verhandlungen nach wie vor einem offenen Krieg vorziehen.
Die US-Energieinformationsbehörde (EIA) hat ihren Monatsbericht veröffentlicht und ihre Schlussfolgerungen vorgelegt. Für das Jahr 2026 zeigt sich die EIA sehr besorgt: Die anhaltende Blockade von Hormus wird zu einem kolossalen physischen Defizit von -3,9 Millionen Barrel pro Tag führen (gegenüber den im Mai prognostizierten -1,3 Millionen). Im Gegensatz dazu rechnet die Behörde ab 2027 mit einer spektakulären Normalisierung, bei der ein Boom der weltweiten Produktion zu einem Überschuss von +4 Millionen Barrel pro Tag führen soll. Diese Perspektive eines im nächsten Jahr mit Öl überschwemmten Marktes dämpft den Optimismus der langfristigen Käufer.
Der gestern eingeleitete Preisrückgang bestätigt sich, und der Kursrutsch an den Londoner Börsen im Tagesverlauf des Dienstags spiegelt sich am heutigen Morgen vollumfänglich in den Preisbarometern wider. Es wird daher mit einem erneuten Nachgeben der inländischen Heizölpreise gerechnet.

