Der Beginn des Monats Juni markiert einen abrupten Stopp für den Rückgang der Ölpreise. Der Optimismus vom Ende vergangener Woche hat sich am Wochenende verflüchtigt: Zwischen Washington und Teheran wurde kein Abkommen unterzeichnet, während sich die militärische Lage im Nahen Osten drastisch verschlechtert.
Die von Donald Trump für Freitag angekündigte finale Entscheidung blieb aus. Nach Informationen des Portals Axios blockierte der US-Präsident die Unterzeichnung des Rahmenabkommens, um strikte Nachbesserungen beim Umgang mit hochangereichertem Uran einzufordern, und bekräftigte in den sozialen Medien, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen werde.
Teheran verschärft seinerseits den Ton. Über die Nachrichtenagentur Tasnim fordert die iranische Regierung die sofortige Freigabe von 12 Milliarden Dollar an eingefrorenen Vermögenswerten in den USA als nicht verhandelbare Bedingung für den Eintritt in die nächste Verhandlungsphase. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi dämpfte zudem die Erwartungen und bezeichnete die Ankündigungen der vergangenen Woche als reine Spekulation, was die Hoffnung auf eine rasche Lösung zunichtemachte.
Darüber hinaus hat Israel seine militärischen Operationen im Libanon intensiviert und den vor sechs Wochen vereinbarten Waffenstillstand ignoriert. Benjamin Netanjahu ordnete eine umfassende Bodenoffensive gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz an. Israelische Truppen drangen in den Südlibanon vor und brachten unter anderem die strategisch wichtige Festung Beaufort unter ihre Kontrolle. Diese Eskalation stößt auf scharfe internationale Kritik und bedroht direkt die Verhandlungen mit Teheran, das ein Ende der Angriffe auf seinen libanesischen Verbündeten zur Bedingung für ein Abkommen mit Washington gemacht hatte.
Der Markttrend kippt wieder von neutral auf aufwärtsgerichtet. Analysten betonen, dass der Markt keinen echten Frieden eingepreist, sondern lediglich das schlimmste Szenario vorübergehend ausgeblendet hatte. Die anhaltende Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus führt weiterhin zu massiven Verwerfungen, die von einigen Beobachtern bereits als die schwerste Ölmarktkrise der Geschichte bezeichnet werden.
Die Erleichterung war folglich nur von kurzer Dauer. Am heutigen Morgen wird mit einem deutlichen Aufschlag bei den inländischen Heizölpreisen im Vergleich zum Freitag gerechnet.

