Heizöl-Info vom 9. April

Die überraschende Waffenruhe zwischen Washington und Teheran zeigt an diesem Donnerstagmorgen bereits ihre Grenzen, nachdem sie gestern noch einen spektakulären Kurssturz ausgelöst hatte. Der Ölmarkt ist von der ersten Erleichterung zur Realität einer weiterhin gelähmten Logistik und anhaltend hoher Spannungen übergegangen.

Trotz der angekündigten Öffnung der Straße von Hormus bleibt der Schiffsverkehr fast vollständig am Boden. Am Mittwoch verließen lediglich drei Schiffe die Region, während über 800 Frachter und 400 Tanker weiterhin im Persischen Golf festsitzen. Reedereien wie Maersk fordern konkrete Sicherheitsgarantien, bevor sie den Betrieb wieder aufnehmen. Mit insgesamt mehr als 1.000 Schiffen, die auf beiden Seiten der Meerenge warten, wird eine Rückkehr zur Normalität Wochen dauern – selbst wenn es friedlich bleibt.

Die Spannungen wurden durch einen iranischen Drohnenangriff auf die saudi-arabische Ost-West-Pipeline angeheizt, nur wenige Stunden nach Bekanntgabe der Waffenruhe. Auch wenn der Betrieb offenbar nicht unterbrochen wurde, beweist dieser Vorfall, dass Teheran die regionale Infrastruktur weiterhin unter Druck setzt. Parallel dazu droht der Iran bereits mit dem Bruch des Abkommens und kritisiert die Fortsetzung der israelischen Operationen im Libanon. Die 10 Punkte des Waffenruhe-Abkommens scheinen von den Konfliktparteien bereits unterschiedlich interpretiert zu werden.

In diesem unsicheren Klima überraschte der Monatsbericht der EIA (US Energy Information Administration) mit der Prognose einer Unterversorgung des Marktes für den Rest des Jahres – zum ersten Mal seit langer Zeit. Diese Aussicht auf eine strukturelle Knappheit, kombiniert mit den Zweifeln an einer tatsächlichen Wiedereröffnung von Hormus, verhindert einen weiteren Preisverfall. Die wöchentlichen DOE-Daten (US-Lagerbestände) fielen neutral aus und bestätigten, dass derzeit allein die Geopolitik den Markt diktiert.

Die Händler warten nun gespannt auf den Beginn der direkten Gespräche in Islamabad an diesem Freitag. Zwar besteht Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung, doch die Volatilität bleibt extrem hoch. Experten sind der Meinung, dass eine Rückkehr von WTI in den Bereich von 80 Dollar unmöglich ist, solange keine vollständige und ungehinderte Durchfahrt wiederhergestellt ist.

Nach dem historischen Rückgang von gestern zeichnet sich an diesem Donnerstagmorgen eine leichte Aufwärtskorrektur ab. Die Zweifel an der Stabilität der Waffenruhe treiben die Heizölpreise im Vergleich zu den Tiefstständen vom Mittwochmorgen wieder nach oben.