Der Ölmarkt scheint an diesem Dienstag eine Pause im Aufwärtstrend einzulegen, da widersprüchliche Signale aus Washington eintreffen. Zwischen Drohungen mit totaler Zerstörung und dem Wunsch nach einem schnellen Ende des Konflikts versuchen die Anleger, die amerikanische Strategie zu entschlüsseln.
Laut Berichten des Wall Street Journal möchte Donald Trump die Militäroperationen im Iran innerhalb von zwei Wochen abschließen, um seinen ursprünglichen Zeitplan von „vier bis sechs Wochen“ einzuhalten. Bemerkenswert ist, dass er offenbar bereit wäre, den Konflikt zu beenden, selbst wenn die Straße von Hormus teilweise blockiert bliebe. Die Sicherung der Zone nach dem Abzug der USA läge dann in der Verantwortung europäischer und regionaler Verbündeter. Diese Aussicht auf einen schnellen Rückzug hat den Preisanstieg gebremst, wenngleich ein US-Abzug ohne vollständige Wiedereröffnung der Meerenge den physischen Markt in einer kritischen Knappheit zurücklassen würde.
Die Realität vor Ort erinnert jedoch an die Gefährlichkeit der Lage. Der Iran führte am Montag einen Drohnenangriff auf die Al-Salmi durch, einen kuwaitischen Tanker mit 2 Millionen Barrel Rohöl an Bord, der sich vor der Küste von Dubai befand. Obwohl der Brand unter Kontrolle gebracht werden konnte, unterstreicht der Vorfall die Verwundbarkeit der Exporte der Nachbarländer. Parallel dazu wiederholte Donald Trump seine Drohungen, iranische Kraftwerke und die Terminals auf der Insel Kharg zu zerstören, sollte die Seeblockade nicht sofort beendet werden.
Für viele Analysten spiegelt der aktuelle Barrelpreis noch nicht das volle Ausmaß des physischen Schocks für das Angebot wider. Der Markt befindet sich in einem instabilen Zwischenzustand: Die Preise sind zu hoch, um beruhigend zu wirken, aber zu niedrig, um eine dauerhafte Schließung von Hormus oder eine Ausweitung des Konflikts auf die Meerenge von Bab el-Mandeb durch die Huthis einzupreisen.
Für den heimischen Markt bietet die Situation an diesem Dienstagmorgen eine leichte Beruhigung. Trotz der anhaltenden Spannungen lassen der teilweise Rückgang der Weltmarktpreise und die Stabilisierung des Euro ein Abwärtspotenzial bei den Heizölpreisen im Vergleich zu den am Montag erreichten Höchstständen erwarten.

