An diesem Donnerstag gewinnt die diplomatische Verwirrung an den Ölmärkten wieder die Oberhand. Während die Hoffnung auf einen Waffenstillstand die Gemüter kurzzeitig beruhigt hatte, treiben widersprüchliche Aussagen aus Washington und Teheran sowie neue logistische Spannungen die Kurse erneut nach oben; Brent festigt sich deutlich über der Marke von 104 Dollar.
Hinsichtlich der Existenz echter Verhandlungen herrscht völlige Ungewissheit. Während Donald Trump behauptet, Teheran wolle verzweifelt eine Einigung, dementierte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi jegliche Gespräche und bezeichnete die bloße Idee zu verhandeln als „Eingeständnis der Niederlage“. Teheran stellt drastische Bedingungen für jede Einstellung der Feindseligkeiten: ein Ende der gezielten Tötungen seiner Führungskräfte, Reparationszahlungen und die Beibehaltung der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus.
Das iranische Parlament arbeitet zudem an einem Gesetzentwurf zur Legalisierung von Durchfahrtsgebühren für Schiffe, die die Straße von Hormus passieren wollen. Diese Praxis, die in den letzten Tagen bereits informell beobachtet wurde, stellt einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht zur Freiheit der Schifffahrt dar. Für die Reedereien ist das Dilemma groß: Entweder sie zahlen, um blockierte Besatzungen und Ladungen freizubekommen, riskieren dabei jedoch den Verstoß gegen internationale Sanktionen und schaffen einen gefährlichen Präzedenzfall.
Jenseits der Geopolitik lasten konkrete Faktoren auf dem Angebot. Die irakische Produktion wurde infolge der jüngsten Kämpfe auf nur noch 800.000 Barrel pro Tag reduziert, und ein Brand betraf ein russisches Ölterminal in der Ostsee. Obwohl die US-Lagerbestände (DOE) gestern einen Anstieg verzeichneten, werden diese Daten völlig von der Angst vor einem dauerhaften Festfahren des Konflikts im Nahen Osten überschattet.
Für den heimischen Markt kehrt sich der Trend nach der Entspannung zu Wochenbeginn um. An diesem Donnerstagmorgen ziehen die Heizölpreise wieder an, wobei im Vergleich zum Mittwochsniveau mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen ist.

