Der Ölmarkt gönnt sich an diesem Freitagmorgen nach der Eskalation zur Wochenmitte eine erste echte Atempause. Die Kurse befinden sich in einer Korrekturphase, wobei der Brent-Preis in Richtung 107 Dollar sinkt.
Die wichtigste Quelle der Entlastung ist das Ausbleiben neuer massiver Angriffe auf die Energieinfrastruktur seit Mittwoch. Benjamin Netanjahu schlug versöhnlichere Töne an und erklärte, dass die strategischen Kapazitäten des Irans schwer getroffen wurden und der Krieg schneller enden könnte, als viele denken. Unter dem Einfluss von Donald Trump scheint Israel bereit zu sein, seine Angriffe auf das South-Pars-Gasfeld vorerst einzustellen, was eine unmittelbare Kettenreaktion bei den Gaspreisen verhindert.
Europa, Japan und Kanada haben offiziell ihre Bereitschaft erklärt, sich an der Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen. Auch wenn die konkreten Modalitäten noch unklar sind, beruhigt dieses internationale Engagement die Märkte hinsichtlich des globalen Willens, die Energieströme zu schützen. Parallel dazu prüft Washington eine mögliche Aufhebung der Sanktionen gegen iranisches Öl, um physisches Rohöl in den Markt zu pumpen und die Inflationsspirale zu brechen.
Trotz dieser Entspannung bleiben Experten vorsichtig. Analysten betonen, dass der Schaden bereits angerichtet ist. Selbst wenn eine Vereinbarung über eine sichere Durchfahrt gefunden wird, wird es Zeit brauchen, bis sich die globale Logistik normalisiert hat. Die kriegsbedingte Risikoprämie sinkt heute zwar, aber der kleinste Funke an einem Exportterminal könnte die Preise sofort wieder in die Höhe treiben.
Dank des gemeinsamen Rückgangs der Rohöl- und Produktkurse verzeichnen die Heizölpreise an diesem Freitagmorgen einen leichten Rückgang.

