Nach einer kurzen Pause am gestrigen Nachmittag, die durch erste Freigaben strategischer Reserven (IEA) ermöglicht wurde, ziehen die Preise nun wieder an. Auslöser ist eine neue Serie gezielter Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Nahen Osten.
Teherans Eskalationsstrategie verschärft sich. In den Vereinigten Arabischen Emiraten musste das Gasfeld Shah die Produktion einstellen, nachdem ein Drohnenangriff einen Brand ausgelöst hatte. Zeitgleich wurde im Irak das Riesengasfeld Majnoon ins Visier genommen, wobei auch Anlagen US-amerikanischer Unternehmen getroffen wurden. Diese wiederholten Angriffe schüren die Angst, dass sich der Konflikt nicht mehr nur auf die Blockade der Straße von Hormus beschränkt, sondern nun auf die physische Zerstörung regionaler Produktionskapazitäten abzielt.
Die am Montag durch die IEA-Ankündigungen geschaffene Entlastung, insbesondere durch Japan, das seine Lagerbestände senkte, und die USA, die erste Tauschgeschäfte starteten, verpuffte schnell. Obwohl der Brent-Preis gestern kurzzeitig unter 100 Dollar fiel, erholte er sich rasch wieder. Investoren sind der Ansicht, dass diese Notreserven den realen Verlust des physischen Angebots noch nicht ausgleichen können, zumal Washingtons Verbündete weiterhin zögern, sich militärisch an der Sicherung der Schiffskonvois zu beteiligen.
Zusätzlich zum Konflikt blickt der Markt auf die Zentralbanken. Die Fed beginnt heute ihre zweitägige Sitzung. Die Erklärungen von Jerome Powell am Mittwochabend werden entscheidend sein: Ein härterer Ton zur Bekämpfung der Energieinflation könnte den Dollar stärken und damit den Anstieg der Rohölpreise mechanisch bremsen.
Die Lage bleibt somit instabil. Nach den leichten Rückgängen von gestern Nachmittag kehrt sich der Trend an diesem Dienstagmorgen um. Die Heizölpreise weisen ein Aufwärtspotenzial auf, getrieben durch die neuen Spannungen am Golf und die festen internationalen Kurse.

