Der Ölmarkt schließt eine der volatilsten Wochen seiner Geschichte ab. Trotz der diplomatischen und finanziellen Bemühungen Washingtons, den Preisanstieg zu bremsen, hält sich der Brent-Preis weiterhin über der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar.
Um die Preise zu stabilisieren, haben die USA eine zweite Notfall-Ausnahmeregelung erteilt. Diese Maßnahme erlaubt es für einen Zeitraum von 30 Tagen, russische Öllieferungen zu kaufen, die sich bereits auf See befinden. Finanzminister Scott Bessent stellte klar, dass es sich um eine begrenzte, kurzfristige Maßnahme handelt, um den plötzlichen Ausfall von Rohöl aus dem Nahen Osten auszugleichen. Diese Entscheidung ergänzt die historische Freigabe von 400 Millionen Barrel aus den weltweiten strategischen Reserven.
Die IEA sprach unterdessen eine ernste Warnung aus: Die aktuelle Lähmung der Versorgung sei die schwerwiegendste seit den Ölschocks der 1970er Jahre. Es wird geschätzt, dass derzeit etwa 10 Millionen Barrel pro Tag (rund 10 % der weltweiten Produktion) offline sind. Da neue Angriffe auf Tanker im Golf gemeldet wurden und der neue oberste Führer Irans eine schnelle Wiederöffnung der Straße von Hormus ausschloss, gibt es keine Anzeichen für eine Deeskalation.
Analysten betonen, dass die US-Maßnahmen (strategische Reserven und russisches Öl) lediglich „kurzfristige Pflaster“ sind. Sie lösen nicht das Kernproblem: den physischen Abbruch der langfristigen Versorgungsketten.
Die Woche endet daher mit einer gewissen Vorsicht. Nach den kräftigen Anstiegen vom Donnerstag zeigen sich die Heizölpreise an diesem Freitagmorgen stabil bis leicht rückläufig und bieten damit eine fragile Atempause vor einem Wochenende, das erneut unter Hochspannung steht.

