Die flüchtige Hoffnung auf eine diplomatische Lösung ist am Wochenende zerplatzt. Das Scheitern der Verhandlungen in Islamabad und die drastische Reaktion Washingtons stürzen den Ölmarkt erneut ins Chaos und treiben Brent und WTI wieder über die 100-Dollar-Marke.
Die lang erwarteten Gespräche zwischen dem Iran und den USA dauerten letztlich nur wenige Stunden, bevor sie ergebnislos abgebrochen wurden. Als Reaktion darauf kündigte Donald Trump eine radikale Maßnahme an: Die US-Marine wird nun eine eigene „Gegenblockade“ der Straße von Hormus durchsetzen. Ab heute Nachmittag sollen iranische Häfen isoliert werden; jedes Schiff, das eine Durchfahrtsgebühr an Teheran gezahlt hat, wird von US-Streitkräften abgefangen. Diese Entscheidung markiert faktisch das Ende der 14-tägigen Waffenruhe, die eigentlich noch bis nächste Woche hätte dauern sollen.
Bisher war der Iran das einzige Land, das noch Öl über die Meerenge exportieren konnte (etwa 2 Millionen Barrel pro Tag, hauptsächlich nach China). Sollte es den USA gelingen, diese Mengen zu blockieren, wäre der gesamte Schiffsverkehr in der Region gelähmt. Der Markt sorgt sich insbesondere um die Reaktion Pekings, falls chinesische Schiffe von der US-Navy abgefangen werden sollten, was den Weg für eine beispiellose globale diplomatische Krise ebnen könnte.
Die Rückkehr zur militärischen Eskalation verschärft die bereits kritische Lage. Zwischen den Schäden an der saudischen Infrastruktur und der US-Blockade ist nun rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs von einem physischen Lieferstopp bedroht. Raffinerien und Händler weltweit stürzen sich auf anderweitig verfügbare Ladungen, aus Angst vor einer echten Knappheit, sollte die Blockade mehrere Monate andauern.
Der Markt reagierte bereits zur Eröffnung am Montag mit einem Preissprung, der einen Großteil der Rückgänge seit Bekanntgabe der Waffenruhe wieder zunichtemachte.
Damit gehen die Atempause und der Preisrückgang zu Ende. An diesem Montagmorgen wird ein deutlicher Anstieg der Heizölpreise erwartet, was die extreme Nervosität an den Börsen und das Ende der Friedenshoffnungen widerspiegelt.

