Der Ölmarkt startet an diesem Mittwoch, dem 1. April, mit einer eher zögerlichen Tendenz, hin- und hergerissen zwischen stark steigenden US-Lagerbeständen und der Erwartung einer entscheidenden Rede von Donald Trump. Während die geopolitischen Spannungen der Haupttreiber bleiben, zeichnen sich erste bärische technische Signale ab.
Nach den gestern Abend veröffentlichten API-Zahlen sind die Rohölvorräte in den USA in der vergangenen Woche um 10,3 Millionen Barrel gestiegen – das Zehnfache dessen, was Analysten prognostiziert hatten. Sollte dieser massive Aufbau heute um 16:30 Uhr durch den offiziellen DOE-Bericht bestätigt werden, deutet dies auf eine geringere Raffinerieauslastung oder höhere Nettoimporte hin, was ein Gegengewicht zur jüngsten Preisrallye darstellt.
Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich nun auf die für heute Nacht (3:00 Uhr Schweizer Zeit) angekündigte Rede des US-Präsidenten. Donald Trump verstärkte zuletzt die Verunsicherung mit vagen Aussagen: Er behauptete, die Straße von Hormus werde sich nach dem in zwei bis drei Wochen geplanten Abzug der US-Truppen „automatisch“ wieder öffnen. In einer provokanten Botschaft legte er den von dieser Route abhängigen Ländern nahe, die Kontrolle über die Meerenge selbst in die Hand zu nehmen oder Kerosin direkt in den USA zu kaufen. Diese Unklarheit über die künftige Sicherheit der Schifffahrt hält die Risikoprämie hoch, da ein US-Rückzug ohne Abkommen über freien Transit den Weg für iranische Durchfahrtsgebühren ebnen könnte.
Die OPEP+-Staaten kommen an diesem Sonntag zusammen, um ihre Produktionsstrategie für Mai festzulegen. Die Blockade der Straße von Hormus erschwert die Lage jedoch erheblich: Mehrere Mitglieder mussten ihre Förderung bereits drastisch drosseln, da sie ihr Öl nicht exportieren können. Die Fähigkeit des Kartells, den Markt zu beeinflussen, ist durch diese massiven logistischen Einschränkungen derzeit stark begrenzt.
Nachdem Brent-Öl an der 120-Dollar-Marke gekratzt hatte, zeigen die Kurse nun Ermüdungserscheinungen. Zum ersten Mal seit Tagen senden technische Indikatoren Verkaufs-Signale, insbesondere beim Gasoil, was auf Gewinnmitnahmen vor dem langen Osterwochenende und der präsidentiellen Intervention hindeutet.
Der Trend zur Beruhigung bestätigt sich an diesem Mittwochmorgen. Dank der am gestrigen Abend nachgebenden Weltmarktpreise und der API-Daten weisen die Heizölpreise ein weiteres Abwärtspotenzial auf.

